Perspektiven zur "Wissenschaftlichkeit" von Psychotherapie

Perspectives on the "science" of psychotherapy

Jürgen Kriz
PsychotherapyResearch methodologyGerman
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Abstract

Gegen die gegenwärtigen Versuche in Deutschland, unter Berufung auf "Wissenschaftlichkeit" die Vielfalt der Perspektiven und Zugangsweisen im Bereich der Psychotherapie und mit ihnen den Raum an Denk- und Forschungsmöglichkeiten drastisch zu beschneiden, wird plädiert. Probleme der Konzeptualisierung, Operationalisierung und Messung der Effektivität von Psychotherapie werden aufgezeigt. Dabei wird insbesondere auf das statistische Maß der Effektstärke sowie auf die methodischen Schwierigkeiten der Planung und Durchführung von Therapievergleichsstudien eingegangen. Als Alternative oder Ergänzung zum Nachweis der Laboreffektivität eines Therapieverfahrens wird vorgeschlagen, auch die klinische Brauchbarkeit und Bewährtheit in der therapeutischen Praxis zu untersuchen bzw. in einem Delphi-Verfahren begründete Konsensentscheidungen über die Effektivität eines Therapieverfahrens bei den Fachprofessoren für klinische Psychologie zu erreichen. Angesichts der gesellschaftlichen Pluralität, die sich in unterschiedlichen Lebensweisen und -zielen ausdrückt, werden Argumente für eine Akzeptierung der Heterogenität von Psychotherapieansätzen und gegen eine Vereinheitlichung von Psychotherapie angeführt.

APA citation

Kriz, J. (2000). Perspektiven zur "Wissenschaftlichkeit" von Psychotherapie.